Trauer und Psyche

Namhafte Psychotherapeuten und Psychologen wie Jorgos Canakakis oder Roland Kachler haben den Umgang mit der Trauer in unserer Gesellschaft und bei betroffenen Menschen näher betrachtet. Bei Psychologen häufig angewendete Methoden zur Trauerbewältigung, die den verstorbenen Menschen, die Liebe zu ihm und die in der Trauer auftretenden Gefühle, ausklammern, können keine von Trauernden erhoffte Hilfestellung auf dem Trauerweg sein.
Beiden zuvor genannten Therapeuten ist es allerdings ganz wichtig, den Verstorbenen in das Leben der Hinterbliebenen zu integrieren, dem Verstorbenen einen sicheren Platz zu schaffen und somit den Hinterbliebenen eine Hilfestellung in deren Trauer zu geben.

In der von Canakakis und Kachler vorhandenen Literatur sind diese neuen Thesen in der Trauerbewältigung beschrieben. Die in der heutigen Gesellschaft vorhandene Unfähigkeit trauern zu können, liegt ganz oft in der Kindheit begründet. In welchen Familien werden noch Gefühle angesprochen? Daher ist es kein Wunder, dass viele Menschen mit den Trauergefühlen kaum zurecht kommen und eine scheinbar "kalte" Gesellschaft existiert - eben weil keine Gefühle zugelassen werden (können). Zurechtweisungen im Kindesalter wie "Indianer kennen keinen Schmerz..." oder "Stell dich nicht wie eine Heulsuse an...", tragen ebenfalls für ein Erstarren der Gefühlswelt bei. Kinder lernen daraus: Wenn ich Gefühle zeige, ist das offensichtlich schlecht.

Ich fühle mich traurig


Ich sah nichts mehr, ich hörte nichts mehr. Ein schwarzes Nichts brach über mich herein - und riss an mir, riss eine tiefe Wunde, bis das Blut troff, riss bis die Seele schrie.
Tage darauf: Mit ihren zwei Händen hatte sie meinen Kopf gehalten. Wange an Wange. Keine Träne war da gewesen. Mir kamen die Betonkübel unserer Fußgängerzone in den Sinn. Blumen kagen darin, vertrocknet. Alles war tot in mir. Ich sah den Erdhügel vor mir, die Blumen, die Hand, die das Kreuz schlug. Da riss der Vorhang entzwei: Ich sah - Ich hörte. Meine Tränen durchbrachen die Finsternis. Sie liefen unsere Wangen entlang, durch unsere Finger und fielen zu Boden. Tränensaat! Wasser des Lebens und ein Anflug von Freude durchflutete mich.
(Markus Eisele)