Trauer und Gesellschaft

Leider wird trauernden Menschen in unserer Gesellschaft nicht sehr viel Zeit und Raum zum Trauern gegeben. Nach einigen Wochen soll es genug sein!
Wer aber legt eine Messlatte an, mit der bestimmt wird, wann genug getrauert worden ist?
Jeder trauert anders. Jeder hat sein eigenes Tempo auf dem Weg durch die Trauer.

Unserer Gesellschaft ist Trauer unangenehm und man mag sich nicht mit ihr auseinandersetzen. Trotzdem wird jeder irgendwann mit dem Sterben - auch dem eigenen Sterben - konfrontiert. Wer beschäftigt sich heutzutage noch mit seiner eigenen Endlichkeit? Kaum jemand...
Und dann wundern sich alle darüber, dass so viele Menschen große Probleme mit dem Trauern haben?

Oft genug habe ich mittlerweile gehört, dass nur diejenigen, die selbst einen Verlust erleiden mussten, Mitgefühl zeigen können. Viel häufiger werden hingegen unaufrichtige Floskeln verwendet, um möglichst schnell seiner Verpflichtung nachgekommen zu sein, einige "nette" Worte sagen zu müssen.

Wie wirkt das auf Sie?

Kopf hoch, es wird schon wieder...
Zeit heilt alle Wunden...
Es ist gut, dass er / sie jetzt gestorben ist. Wer weiß, was ihm / ihr alles erspart geblieben ist...
Lenk dich ab...
Lass die Toten ruhen...
Du musst lernen, loszulassen...

Das alles wirkt doch eher wie eine Ohrfeige auf Trauernde. Ich persönlich sehe keinerlei Mitgefühl in solchen Aussagen!