Ihre persönliche Trauer

Wie gehen Sie mit Ihrer persönlichen Trauer um?

Vielleicht wirkt diese Frage auf Sie sehr merkwürdig. Ich möchte Sie gerne einladen, einen Blick auf Ihre eigene Trauer oder Trauersituation zu richten.

Zu Anfang der Trauer gibt es fast ausschließlich den Schmerz, die Tränen, die Leere und das Nicht verstehen können (besonders bei einem plötzlichen und unerwarteten Tod - Unfall). Sie befinden sich in einem Schockzustand, realisieren kaum was passiert ist und was mit Ihnen geschieht.
Da uns bereits im Kindesalter der Umgang mit Gefühlen und somit auch mit Trauergefühlen "eingepflanzt" wurde, können erwachsene Menschen in späteren Jahren große Probleme bekommen, sich ihrer Trauer zu stellen. Oft wird verdrängt, nicht zugelassen und es bleibt vieles unerledigt.

Eine Frau hat im Kindesalter einen guten Freund im Alter von 6 Jahren verloren. Sie wurde daran gehindert, an der Beerdigung ihres Freundes dabei zu sein. Sie hatte dann die Beisetzung heimlich durch die Hecke des Friedhofs beobachtet, aber Abschied nehmen durfte sie nicht.
Diese unerledigte Trauer brach verstärkt wieder auf, als ihre Mutter starb und konnte dann erst in der Begleitung "gelöst" werden.

Leider wird durch unsere Medien ein Trugbild ewiger Jugend und Schönheit produziert, das den Tod aus unserem Leben verdrängt hat. Diese Form von Trauervermeidungskultur führt zwangsläufig zu Konfliktsituationen, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist.
Unglückliche Floskeln im Umgang mit Trauernden zeugen davon, dass wir kaum noch in der Lage sind, Mitgefühl zu zeigen. In diesem Wort ist der Begriff Gefühl enthalten. Da wir bereits im Kindesalter gelernt haben, dass das Zeigen von Gefühlen nicht gut ist, verhalten wir uns in Trauerfällen wie Analphabeten und wissen kaum, wie wir mit dieser Situation umgehen sollen.
Gerade dann, wenn Trauernde jemand brauchen, der mitfühlen kann, ist kaum noch jemand da, der dazu aufrichtig und authentisch in der Lage ist.
Die Folge kann dann sein, dass Trauernde sich in Ablenkungen stürzen, den Schmerz mit Medikamenten oder Alkohol unterdrücken und vor den eigenen Gefühlen flüchten. Trauergefühle und Trauer lassen sich aber nicht abschütteln.

Es geht kein Weg an der Trauer vorbei, nur durch sie hindurch